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Willkommen im Club

Willkommen auf dem Arbeitsamt

Was machen Schauspieler und ein Regisseur »between Engagements«?– Vor allem wenn dieses »Zwischen« sich in die Länge zieht? Sie drehen mit sparsamen Mitteln einen Film über die Arbeitslosigkeit. Das taten 2005 zumindest Regisseur Holger Borgefe und Schauspielerin Nicole Unger. Das Ergebnis? Holger Borgrefes Low-budget-Kino-Film: Willkommen im Club.

»Drei Menschen im Kampf um einen Job«, steht auf dem Plakat vor grauem Hintergrund, vermutlich eine Betonmauer, eine Außenwand des Arbeitsamtes, denn aus dem  trüben Grau sticht das rote Logo der Bundesagentur hervor. Unten links in der Ecke steht ein Weihnachtsmann mit einem Paket in der Hand. Darauf steht: Kündigung. Der Film spielt kurz vor der Weihnachtszeit in Hamburg, deswegen ist der einzige Job, den der zugeschraubte Arbeitsvermittler dem unterschwellig aggressiven Arbeitslosen vor seinem Tisch anbieten kann, der des Weihnachtsmanns.

Drei Hauptfiguren winden sich rund um das Amt: Ein raubeiniger Arbeiter, der am liebsten ohne Umwege mit dem Kopf durch die Wand will, aber vor seiner Tochter und seiner ExFrau davonläuft, als sie ihn tagsüber auf der Straße erkennen. Sie sollen nicht erfahren, dass er arbeitslos ist. Eine Akademikerin in einer Lebenskrise, geplagt von Unsicherheit, die durch die Arbeitslosigkeit noch verstärkt wird. Und eine alleinerziehende Mutter, die alles, aber auch wirklich fast alles tun würde, um nur nicht vom Amt abhängig zu sein. Nie zuvor wurden Arbeitslose so liebevoll und treffend typologisiert.

Ebenso wie der vierte Hauptdarsteller, der Arbeitsvermittler, der verzweifelt versucht, seine Arbeit zu machen und dabei keinem seiner Kunden gerecht werden kann, weil er letztendlich nur ein Angestellter mit recht begrenzten Möglichkeiten ist. Man beobachtet die Vier, ist ihnen manchmal schmerzlich nah, spürt ihre Hilflosigkeit, wird jedoch immer aufgefangen von dem feinen, tröstenden Humor, der den ganzen Film durchzieht. Zwei der vier Hauptpersonen führt der Film zu einem kleinen Happy End. Für die anderen beiden hält er eine wunderbare Pointe bereit, die jeden Arbeitslosen mit Genugtuung erfüllen dürfte. Lasst diesen kleinen großen Film nicht in Vergessenheit geraten.

Herzlichen Dank Holger Borgrefe und Nicole Unger für das Weiterleiten meiner Anfrage und die Bereitstellung eines Filmplakats mit Signatur. Das Plakat hängt natürlich an seinem Ehrenplatz in meinem Büro (Ja genau, im Jobcenter).

Titel: Willkommen im Club
Erscheinungsjahr: 2005
Spieldauer: 98 Minuten
Darsteller: Erna Aretz, Michael Benthin, Harald Burmeister, Katja Hoffmann, Joseph Dieken
Regisseur: Holger Borgrefe
Kaufen kann man den Film noch hier

Published inVorgestellt

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