{"id":761,"date":"2017-11-02T16:58:49","date_gmt":"2017-11-02T14:58:49","guid":{"rendered":"http:\/\/undinezimmer.de\/?page_id=761"},"modified":"2017-11-02T18:50:09","modified_gmt":"2017-11-02T16:50:09","slug":"eltern-ag-1","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/undinezimmer.de\/blog\/eltern-ag-1\/","title":{"rendered":"\u00bbBesonders belastete Eltern\u00ab"},"content":{"rendered":"<h2>Ein Leben mit Herausforderungen von Anfang an. Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine besondere Zielgruppe.<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Immer wieder prallen in der \u00f6ffentlichen Debatte die Meinungen gegeneinander: Ist relative Armut eine Erfindung der Sozial-Verb\u00e4nde? Oder wird in Deutschland tats\u00e4chlich jemand sozial benachteiligt?<\/h3>\n<p><strong>Gespr\u00e4ch vom 07.12.2015 mit Wencke Thiemann, Teamleiterin der ELTERN-AG, und Gr\u00fcnder Meinrad Armbruster.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Undine Zimmer:<\/strong> \u203aSozial benachteiligte\u2039 Eltern, gibt es die in Deutschland wirklich, oder sind die nur zu faul?<br \/>\n<strong>Wencke Thiemann:<\/strong> Besonders belastete Eltern haben einen Mangel an Entscheidungsm\u00f6glichkeiten. Wenn ich als Mutter entscheide, dass mein Kind dies oder jenes aus Gr\u00fcnden der F\u00f6rderung braucht, aus denselben Gr\u00fcnden aber auf etwas anderes verzichten lernen soll, ist das immer noch meine bewusste Entscheidung als Mutter. Wenn ich jedoch nicht entscheiden kann, sondern von vornherein keine Wahl habe, aufgrund fehlender Ressourcen, dann ist das kein Ausdruck von Faulheit, sondern bedeutet ein Leben in st\u00e4ndigem Mangel.<\/p>\n<p><strong>UZ:<\/strong> Wer sind diese \u203aProblemeltern\u2039, wie sie gerne etikettiert werden, genau?<br \/>\n<strong>WT:<\/strong> Die ELTERN-AG richtet sich an eine spezielle Zielgruppe von Eltern mit beispielsweise niedrigem Bildungsstatus, niedrigem Schulabschluss (i. d. R. Hauptschulabschluss oder kein Schulabschluss), an Menschen mit Suchterkrankungen. Das sind Zielgruppen, denen man in der Gesellschaft h\u00e4ufig mit wenig Wohlwollen begegnet.<\/p>\n<p><strong>UZ:<\/strong> In welcher Weise sind diese Eltern besonders belastet?<br \/>\n<strong>Meinrad Armbruster:<\/strong> Das sind Menschen, die aus welchen Gr\u00fcnden auch immer ihre Arbeit verloren haben und nicht wieder in Arbeit reinkommen. Meistens verbergen sich dahinter wirklich Schicksale. Als wir angefangen haben, so um das Jahr 2000, gab es noch viele Wendeverlierer. Die hatten vorher zum Teil sichere Berufe und Existenzen und kamen mit dieser neuen Gesellschaft, mit dieser Eigenverantwortung, nicht mehr zurecht. Manche sind dann Bl\u00fctentr\u00e4umen gefolgt und haben sich hoch verschuldet. Andere waren psychisch in schwierigen Situationen. Da \u00fcberhaupt wieder raus zukommen ist ein hartes St\u00fcck Arbeit. Wenn man andere Langzeitarbeitslose betrachtet, haben viele keinen Schulabschluss.<br \/>\nDann gibt es zum Beispiel fr\u00fche Elternschaft. Das passiert halt. Und wenn junge Menschen dann mit 16, 17 oder 18 entscheiden ihr Kind zu haben, ist das aller Ehren wert. Aber sie haben es nat\u00fcrlich arg schwierig. Wieder andere haben chronische Erschwernisse, wie zum Beispiel Krankheiten und depressive Erkrankungen, die unter Umst\u00e4nden entstehen, wenn man seinen eigenen Wert nicht immer wieder durch andere widergespiegelt bekommt. Weitere Risiken sind Migrationshintergrund oder Alleinerziehenden-Status. Letzterer ist ein absolutes Armutsrisiko. Unsere Eltern tragen in der Regel 2-3 dieser Risiken.<\/p>\n<blockquote>\n<h2><strong>\u203aLangzeitarbeitslosigkeit\u2039 &#8230; \u203afr\u00fche Elternschaft\u2039 &#8230; \u203achronische Erschwernisse\u2039 &#8230; \u203aKrankheiten und depressive Erkrankungen\u2039 &#8230; \u203aMigrationshintergrund\u2039 &#8230; \u203aAlleinerziehenden-Status\u2039 <\/strong><\/h2>\n<h2><strong>\u00bbUnsere Eltern tragen in der Regel 2-3 dieser Risiken.\u00ab<\/strong><\/h2>\n<\/blockquote>\n<p><strong>UZ:<\/strong> Woher kommt Ihrer Meinung nach der Eindruck: \u00bbDie wollen ja gar nicht\u00ab?<br \/>\n<strong>MA:<\/strong> Niedrige Bildung korreliert h\u00e4ufig damit, dass man in den untersten und prek\u00e4rsten Arbeitsverh\u00e4ltnissen steht, wo man auch am schnellsten wieder entlassen wird. Was wir auch mit unseren Eltern h\u00e4ufig erleben, ist, dass eine Mentalit\u00e4t entsteht: Uns will hier keiner in dieser Gesellschaft und bittesch\u00f6n, wenn die uns nicht wollen, dann wollen wir die auch nicht. Eine Mentalit\u00e4t, die ganz bewusst der Gesellschaft den R\u00fccken kehrt und von sich aus sagt: \u00bbGut wir sind Hartzer, unsere Kinder werden Hartzer und die Gesellschaft hat eine verdammte Pflicht f\u00fcr uns zu sorgen!\u00ab Da wird dann auch schon mal ausgeschlossen, dass man einer geregelten Arbeit nachgeht. Wir halten das nat\u00fcrlich mit Blick auf die Kinder f\u00fcr absolut katastrophal, weil den Kindern durch diese Haltung ganz viele Lebensm\u00f6glichkeiten und Entfaltungsm\u00f6glichkeiten verschlossen bleiben.<\/p>\n<p><strong>UZ:<\/strong> Was bietet diesen Eltern dann die ELTERN-AG?<br \/>\n<strong>WT:<\/strong> H\u00e4ufig wissen unsere Eltern nicht, wie sie sich oder ihre Kinder f\u00f6rdern k\u00f6nnen. Wie oft h\u00f6re ich in der ELTERN-AG: \u00bbIch w\u00fcrde meinen Kindern das gerne erm\u00f6glichen oder es f\u00f6rdern, aber es geht nicht.\u00ab Und es geht auch wirklich nicht. Viele Eltern k\u00f6nnen nicht richtig schreiben, nicht richtig lesen. Aber sie wollen immer das Beste f\u00fcr ihr Kind und geben sehr viel daf\u00fcr. Hier setzt die ELTERN-AG an. Und den Kursen werden Erziehungsfragen und Herausforderungen bearbeitet und gemeinsam Mittel und Wege gesucht, um diese mit vorhandenen Ressourcen alltagsnah und niedrigschwellig zu realisieren.<\/p>\n<p><strong>UZ:<\/strong> Warum interessiert sich die Eltern-AG gerade f\u00fcr diese Eltern?<br \/>\n<strong>MA:<\/strong> Als wir vor 15 Jahren gestartet sind, war gerade die Pisa-Studie erschienen und stellte fest, dass sich soziale Ungleichheit von einer Generation in die n\u00e4chste fortsetzt. Wenn ich in einem armen Elternhaus geboren bin, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich auch als Erwachsener arm sein werde und es im Leben zu nicht viel Bildung und materiellem Wohlstand bringen werde. Wir haben uns damit besch\u00e4ftigt und sind immer wieder auf das Elternhaus gekommen. Soziale Benachteiligung ist untrennbar mit den Eltern und mit dem Status verbunden. Aber Programme f\u00fcr die Arbeit mit den Eltern, bei denen die Kinder nachgewiesenerma\u00dfen den gr\u00f6\u00dften Teil ihrer Zeit verbringen und wo der Einfluss am gr\u00f6\u00dften ist, gab es in dem Sinne nicht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/undinezimmer.de\/2017\/11\/eltern-ag\/\">Hier<\/a> geht es zur\u00fcck zum Haupttext<\/p>\n<p>Weiterlesen: <a href=\"http:\/\/undinezimmer.de\/eltern-ag-2\">Empowerment: Best\u00e4rken was schon da ist<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Leben mit Herausforderungen von Anfang an. 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